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Dienstag, 15. April 2014

fisch mit dem strom

barfuß

wolltest du durchs leben gehen
um jeden spitzen stein zu spüren
und keiner brennnessel ungeschoren zu entkommen.

doch man hat dir socken und schuhe angezogen
und dich losgeschickt,
zu leben. 

nun trittst du das gras nieder,
fühlst nicht,
wie es dich streichelt
und dich kitzelt.
 
das wahre leben bleibt dir verborgen.
du bist zivilisiert.

Samstag, 12. Januar 2013

Über die Liebe

Chaos

Kaum eine Träne
Kaum ein Lächeln
Viele Worte
Viel Kritik
Wenig Schlaf
Wenig Sicherheit
Unzählige Fragen
Unzählige Rätsel
 Verhängnisvoll

Stille Hoffnung
Lauter Kummer
Tausende Stunden
Keine Antwort
Leiden und Mitleiden
Verzweifeln
Stetes Bedrängnis
Ohne Verstand
Mit viel Herz

Den Weg finden.

Dienstag, 24. April 2012

Regenbogenwege

Als wir über den großen Regenbogen
nach Hause wollten,
waren wir sehr müde.

Wir hielten uns an seinem Geländer
und fürchteten,
dass er verblassen könnte.

Als ich über den großen Regenbogen
nach Hause wollte,
war ich sehr müde.

Ich hielt mich an dir und an seinem Geländer
und fürchtete,
dass ihr beide, du und der Regenbogen,
blass werden könntet.

(Günter Grass)


Alles Liebe,
Mimi.

Montag, 30. Januar 2012

An manchen Tagen...

Lasst mich doch
Ich will mich verkriechen
Mir den verwinkeltsten Schlupfwinkel suchen
Will mich verstecken
Unter 1000enden Decken
Will nix sehen, nix hören
Neimand darf stören!

Lasst mich in Ruh.


Kennt doch jeder, nicht? Ab und zu zumindest...

Alles Liebe,
Mimi.

Montag, 26. Dezember 2011

Natürliche Idylle

Da sich vor einigen Tagen auch dieses Türchen bei Venus scribet geöffnet hat, kann ich nun auch meinen 2ten Beitrag hier veröffentlichen:



Schneeflocken beginnen aus allen Wolken zu fallen
Sie segeln durch die Wellen des Windes
Tanzen und wirbeln, jagen und schleichen
Versuchen nahe des Bodens umzukehren
Geben doch auf und legen sich sachte auf die Erde

Wo eben noch ein frischer Schuhabdruck war
Ist nun eine dicke, weiße Decke
Verborgen jede Erinnerung an den stillen Besucher
Der noch vor wenigen Minuten hier gestanden war
Und das Kunstwerk der Natur genoss

Lange war er ruhig verharrt
Seine Tränen drohten auf seinen Wangen zu frieren
Seine Zähne klapperten – doch nicht vor Kälte
Ein Schluchzen unterdrückte er gekonnt, geübt
Wollte er doch die Stille nicht unterbrechen

Er sog die kalte Luft tief ein
Sie brannte in seiner Nase, in seinem Kopf
Doch er nahm es kaum wahr
Er blickte auf den See, der vor ihm lag
Friedlich und stark sah er aus
Als könnte er einen Bären tragen

Er setzte einen Fuß vor den anderen
Verfolgte seine Schritte mit seinem Blick
Langsam, zögerlich schlich er voran
Seine Zehen waren starr vor Kälte

Am Ziel angelangt hob er vorsichtig den Kopf
Ja, hier wollte er sein
Er blickte gen Himmel und sah sie endlich vor sich
Inmitten aller Schneeflocken tanzte sie mit dem Wind
Mit der Liebe, dem Leben und dem Tod



Alles Liebe,
Mimi.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Spuren im Schnee

tap tap tap tap
wir spazieren im schnee
stampf stampf
die spuren sind nicht sehr tief
trippel trippel trippel
die sonne, sie sinkt
husch husch
schnell wie der wind
jetzt aber zack zack
zurück geschwind

wir kehren gewiss wieder
und wir werden unsere spuren vertiefen
denn unser leben soll nich spurlos enden
wir wollen spuren hinterlassen
seien es auch nur welche im schnee
seien es auch solche, die unter neuen schneeschichten verschwinden
sie werden sein.
unsere spuren.


Alles Liebe,
Mimi.

Kinderzeit

Ich wünsche mir zum Heiligen Christ



Ich wünsche mir zum Heiligen Christ
  einen Kopf, der keine Vokabeln vergisst, 
einen Fußball, der keine Scheibe zerschmeißt - 
und eine Hose, die nie zerreißt.

Ich wünsche mir zum Heiligen Christ 
eine Oma, die nie ihre Brille vermisst, 
einen Nachbarn, den unser Spielen nicht stört - 
und einen Wecker, den niemand hört.

Ich wünsche mir zum Heiligen Christ
  eine Schule, die immer geschlossen ist, 
eine Mutter, die keine Fragen stellt - 
und einen Freund, der die Klappe hält.

Doch weil ich das alles nicht kriegen kann,
  überlass ich die Sache dem Weihnachtsmann.

(Erika Wildgrube-Ulrici)



Auch dieses Gedicht gehörte einst zu  meinen liebsten Weihnachtsgedichten.

Alles Liebe,
Mimi.

Samstag, 3. Dezember 2011

Wer redet

Kommt

Kommt, reden wir zusammen
wer redet, ist nicht tot,
es züngeln doch die Flammen
schon sehr um unsere Not.
Kommt, sagen wir: die Blauen,
kommt, sagen wir: das Rot,
wir hören, lauschen, schauen
wer redet, ist nicht tot.
Allein in deiner Wüste,
in deinem Gobigraun-
du einsamst, keine Büste,
kein Zwiespruch, keine Fraun,
und schon so nah den Klippen,
du kennst dein schwaches Boot-
kommt, öffnet doch die Lippen,
wer redet, ist nicht tot.

(Gottfried Benn)



Ich erinnere mich, dieses Gedicht schon in Schulzeiten gelesen zu haben. Ich erinnere mich, dass ich damals schon nicht genau wusste, was "das Rot" denn nun tatsächlich ist. Aber ich erinnere mich, dass die einzigen Worte, die ich wirklich wichtig fand, damals die selben waren, wie jene heute.

Und eben an dem heutigen Tag hat ein Dozent von diesen Zeilen gesprochen. Gesagt, wie wichtig es ist, zu sprechen. In Worten formen, was sich in uns verbirgt.

Alles Liebe,
Mimi.

Mittwoch, 16. November 2011

Selbstkritik

Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich:
So hab ich erstens den Gewinn,
Daß ich so hübsch bescheiden bin;
Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;
Und viertens hoff ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Daß ich ein ganz famoses Haus.

(Wilhelm Busch)
Gut, nicht?

Alles Liebe,
Mimi.

Freitag, 4. November 2011

Es war einmal...

Einst fielen die Sterne vom Himmel.
Bis der Himmel kahl wurde.
Ein Mädchen sammelte sie alle ein.
Sie warf sie wieder zurück.
Seither bleiben sie am Himmelszelt stehen.
Kaum jemand vermag sie herunter zu fischen.
Doch du hast es mir versprochen.
Hast gesagt:
"Ich hole dir die Sterne vom Himmel."
Ich warte darauf.
Irgendwann wird es dir gelingen.
Denn ich weiß, du wirst alles dafür geben.
Und eines Tages, wenn wir nicht darauf achten,
wird dein Herz so mächtig sein,
einen Stern anzulocken.
Und er wird fallen.
Mir auf den Kopf knallen.
Und ich werde schwach in deine Arme sinken.
Den Blick verträumt auf dich lenken.
In deinen Augen eintauchen.
Mit deiner Seele um die Wette schwimmen.
Und Hand in Hand nach Hause gehen.
Mit dir.
Denn wo du bist,
wird zuhause sein.


Alles Liebe,
Mimi.

Samstag, 22. Oktober 2011

Teufelswerk

Seine Augen wild und schwarz wie die Nacht
Ein Tor zur Seele?
Der Teufel lacht

Seine Lippen heiß, weich und feucht
Für die Liebe gemacht?
Der Teufel lacht

Verführende Küsse
Mal stürmisch, mal sacht
Und der Teufel, er lacht

Sie fällt in seine Arme
Er übernimmt die Macht
Wieder ist es der Teufel, der lacht

Wirre Gedanken, Leidenschaftssturm
Es blizt, es donnert und kracht
Plötzlich hört sie ihn - hört, wie der Teufel lacht

Ein hähmisches Lachen
Aus tiefster Kehle
Ihr gegenüber, der Mann ohne Seele

Sie stürzt, sie bricht
Es blitzt, es kracht
Einzig und allein der Teufel lacht
Und lacht


(Inspiration für das Gedicht war Das Kabinett des Dr. Parnassus - ein grenzgenialer Film)

Alles Liebe,
Mimi.

(Umso öfter ich es lese, desto weniger gefällt es mir. Dieses "der Teufel lacht" nervt mich irgendwie. Außer am Schluss...)

Dienstag, 4. Oktober 2011

Amor in einer Rosenknospe

Frau Venus wollte neulich
Ihr loses Söhnchen schlagen:
Da ist er ihr entlaufen
Und hat sich still gekauert
In eine Rosenknospe.
Kommt, ruft er, kommt, ihr Mädchen,
Und pflückt euch eine Rose!
Und Eine, selbst ein Röschen,
Brach sich die Blum' und steckte
Sie an den kleinen Busen.
Das ist ihr schlecht bekommen!
Denn Amor, ohne Bogen
Und Pfeile, rupft ein Dörnchen
Sich von dem Rosenstiele,
Und sticht damit die Arme,
Dass sie es viele Sommer
Noch wird im Busen fühlen.
 
(Wilhelm Müller)


Ist dieses Gedicht nicht zuckersüß? :) So ein kleiner Schlingel! Versteckt er sich einfach in einer Rosenknospe, schnappt sich einen Dorn und pickst die holde Maid! Eine ganz neue Taktik. Wer weiß, das nächste Mal sitzt er auf einem Nadelkissen, und ehe er man sich versieht, hat er einen erwischt!

Alles Liebe,
Mimi.

Freitag, 30. September 2011

Immer neue Küsse gib

Küss mich auf den Mund, mein Lieb,
Immer neue Küsse gib.
Welkt am Weinstock Blatt um Blatt,
Man den Most im Keller hat.
Ach, das Leben ist versüßt
Dem, der sich durchs Leben küsst.
Wer verkennt des Jahres Zweck,
Dem nur schenkt der Herbst den Dreck.
Liebste, drück mir auf den Mund
Küsse wie die Blätter bunt,
Küsse wie der junge Most,
Und berauscht leb' ich getrost.

(Max Dauthendey)

Ein etwas anderes Herbst-Gedicht.

Alles Liebe,
Mimi.

Samstag, 24. September 2011

Unbemerkt

Windstill
und dennoch
leise, ganz leise
fällt das erste Blatt zu Boden

Es fliegt,
gleitet in der Luft,
es dreht sich
wie ein Karusell

Dann liegt es still

Unbemerkt

Ein zweites
macht sich auf den Weg,
sich zu ihm zu gesellen

Und dann
ein drittes, viertes, ...

Ein Sturm bricht an
Es bläst der Wind
und reißt die Blätter
alle
von den Ästen

Erst
als der Baum
kahl und leer
umringt
von einem Blättermeer
am dürren Felde steht
da wird es ruhig und friedlich

Dem Wind ist die Puste ausgegangen
er ist still geworden
das bunte Treiben gönnt sich eine Pause
bis der Wind 
wieder zu Kräften kommen konnte

Und flink, ganz flink
sucht sich ein Igel
Unterschlupf

Unter dem kahlen Baum
am dürren Feld
in dem bunten Blättermeer

Unbemerkt.






Mit diesem Gedicht möchte ich an dem Gewinnspiel von Venus Scribet teilnehmen. Ich finde die Idee, der Teilnahmebedingung (Gedicht, Geschichte oder Bild zum Thema Herbstliebe) sehr schön :) Und es war ein guter Grund, sich mit schönen Gedanken zu befassen. 

Was haltet ihr von der Idee, wenn ihr mir wöchentlich ein Thema vorgebt, zu dem ich schreiben könnte? Ich kann zwar nicht versprechen, dass es klappt, aber ich würde es gerne mal versuchen. Würdet ihr mitmachen, indem ihr mir Themen liefert?

Alles Liebe,
Mimi.

Montag, 5. September 2011

Das Nest des Windes

Du musst doch nur die Hand ausstrecken
dich nach dem Leben recken
die Luft auf der Zunge schmecken

Der Wind hält dich fest
wenn du dich fallen lässt
bettet er dich in sein Nest

Du wirst dich fühlen
als könntest du fliegen
und die ganze Welt besiegen

Lass Zeit vergehen,
Gedanken entstehen
und du wirst die Freiheit sehen


Alles Liebe,
Mimi.

Dienstag, 30. August 2011

In den Raum gefragt

Verständnis ist Mangelware
heutzutage,
so scheint es,
ist nun das Gegenteil -
das Missverständnis -
stark vertreten,
vorherrschend,
doch kaum betreten,
verlegen
sind jene,
denen es an Verständnis mangelt,
jedoch beschämend
verhalten sie sich gegenüber
den Missverstandenen,
ohne zu fragen,
wieso, weshalb, warum
sie missverstanden wurden -
und überhaupt:
Wo bleibt denn der Verstand?

Ich schäme mich beinahe für all die kopflosen Geister der Zeit, die ohne zu überlegen, ichbezogen durch die Welt wandeln,das Herz verschlossen vor anderen Gefühlen, den Blick gesenkt vor fremden Ängsten und ohne Frage nach der Herkunft unbekannter Wut. Ich, ich, ich.

Was du sagst, trifft mich. Was du tust, verletzt mich. Ich, ich, ich. Wieso, weshalb, warum du das sagst und tust, interessiert mich, mich, mich nicht.

Du kämpfst? Du bist verzweifelt? Du willst in die Welt hinausbrüllen um endlich gehört zu werden? Dann tu das bitte, ohne mich zu stören.

Du sprichst anders als ich. Das stört mich. Dein Humor ist so witzlos. Das stört mich. Dein Intellekt lässt zu Wünschen übrig. Das stört mich. Dein Erfolg ist nicht genug - für mich. Das stört mich. Du bist ein Streber. Das stört mich. Du siehst anders aus als ich - zu dick, zu dünn, zu schwarz, zu weiß, zu brav, zu wild. Das stört mich.

Und ich? Ich bin perfekt. Bin ich das? Oder nicht? Ich frage mich lieber nicht danach. Ich bin's einfach.

---

Doch in Wahrheit bin ich gar nicht anders. Denn all die zweifellosen Gesichter, die keine Fragen stellen, tja die, die stören mich.

Diese Leere, diese Anteilnahmslosigkeit, dieses Desinteresse an unseren Mitmenschen - Fremde, Kollegen, Großeltern, Enkel, Eltern und sogar die eigenen Kinder (!) - ja, dieses Unverständins und diese Verschlossenheit vor allem, was man nicht versteht, das regt mich auf.

Alles Liebe,
Mimi.

Und: Ich will keine Heuchlerin sein. Ich verstehe auch nicht alles. Ich bin auch nicht offen für alles. Es gibt viel zu viele Themen, wo sich bei mir der Spaß aufhört, worauf auch ich zugeknöpft reagiere. Nur so am Rande...

Montag, 22. August 2011

Hingabe

Ich ließ dich spielen
auf dem Instrument
meiner Gefühle

und wurde eins
mit der Musik,
die daraus entstand.


(Aus "Nur Du" von Hans Kruppa.)


Alles Liebe,
Mimi.

Montag, 15. August 2011

Wenn...

Wenn du dort bist
und ich da bin,
dann ist alles gut.

Doch wenn ich dort bin, wo du bist,
oder du da bist, wo ich bin,
dann verliere ich mich -

in dir.


Alles Liebe,
Mimi.

Montag, 1. August 2011

Lebensinhalt

Erst alles:
rabenschwarz

Dann alles:
knallbunt

Dazwischen:
die Liebe

(Ralf Ahl)

(Das Bild ist bei der Hochzeit entstanden, bei der wir letztens waren.)

Alles Liebe,
Mimi.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Schneesturm

Mitten im Sommer
Schneestürme
Im Herzen
Weil du mir fehlst
Wenn du nicht da bist.

(Bild von hier.)


Alles Liebe,
Mimi.